#14: Braucht ein gutes E-Commerce Modell wirklich Agenturen zur Hilfe?

Wenn es darum geht, ein florierendes E-Commerce Unternehmen aufzubauen, stellt sich früher oder später die Frage, ob man für bestimmte Unternehmensbereiche die Unterstützung von Agenturen in Anspruch nehmen möchte. Schließlich sind die Potenziale, die eigene Unternehmensperformance zu steigern, vielfältig - von A wie Advertising bis zu W wie Webshop-Development. Das Angebot an externen Dienstleistern, die dich bei der Erreichung der Unternehmensziele unterstützen können, ist nicht weniger umfangreich: Laut Statistischem Bundesamt gibt es in Deutschland etwa 24.000 Werbeagenturen, also Agenturen, die sich schwerpunktmäßig mit Werbung und Marketing beschäftigen (Zahl von 2020). Da müsste doch sicherlich ein geeigneter Partner dabei sein?

Die DIY Mentalität

Als E-Commerce Start-up oder KMU ist der Hang zum “Selbermachen” für gewöhnlich groß. Anstatt einen erheblichen Teil des begrenzten Budgets für die Zahlung einer Agentur aufzuwenden, entscheiden sich viele, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Eigeninitiative meets Trial & Error. Dass dabei andere knappe Ressourcen, Zeit und Manpower, draufgehen, rückt angesichts der gesparten externen Kosten oftmals in den Hintergrund. 

Um herauszufinden, ob DIY-Approach oder Agentur unterm Strich rentabler sind, muss man genau hinschauen. In diesem Zusammenhang hilft es sich die Vor- und Nachteile einer Zusammenarbeit mit Agenturen bewusst zu machen.

Darum können Agenturen eine Bereicherung für dein E-Commerce Business sein

  1. Expertise: Agenturen verfügen über umfangreiches Fachwissen und Erfahrung in ihrem jeweiligen Bereich, von denen dein Unternehmen profitieren kann. Das kann besonders für Start-ups hilfreich sein, die noch wenig Erfahrung in bestimmten Bereichen haben.

  2. Personelle Entlastung: Eine Agentur kann dafür sorgen, dass interne Ressourcen freigesetzt werden, die dann sinnvoll für andere Aufgaben genutzt werden können, welche keine externe Expertise erfordern. Auch dies kann vor allem für kleinere Start-ups, die über wenig Personal verfügen, sinnvoll sein.

  3. Netzwerke: Durch ihre meist jahrelange Arbeit für eine Vielzahl an Kunden haben Agenturen oft ein starkes Netzwerk an Kontakten, die für eure gemeinsame Arbeit sehr wichtig sein können und den Erfolg beschleunigen. Wir haben bspw. in 2021 vor allem für die Anfänge unserer Unternehmenskommunikation die Erfahrung gemacht, dass man ohne externe Unterstützung und deren Netzwerk kaum einen Zugang zu gewissen Medien erhält.

Welche Nachteile kann es haben, mit Agenturen zusammenzuarbeiten?

  1. Kosten: Dass Agenturen teuer sind, ist nicht ohne Grund in den meisten Köpfen fest verankert. Je nach Projekt und Aufgabenumfang können sich schnell fünfstellige Beträge ergeben, die gerade für Unternehmen, die noch über wenig finanzielle Mittel verfügen oder selbstfinanziert sind, was im E-Commerce immer noch häufig der Fall ist, ein Hindernis darstellen. Was als letztendlich "teuer" bewertet wird, ist natürlich immer relativ.

  2. Abhängigkeit: Setzt eine Firma zu sehr und zu lange auf externe Agenturen, entsteht eine hohe Abhängigkeit und das Unternehmen wird über die Zeit unbeweglicher. Das kann zu Problemen führen, wenn man die Zusammenarbeit beenden möchte, wenn die Agentur nicht mehr zur Verfügung steht oder man einen Geschäftsbereich insourcen möchte.

  3. Kommunikationsaufwand: Für eine erfolgreiche Zusammenarbeit müssen Agentur und Auftraggeber klar miteinander kommunizieren - was ist von höchster Priorität und woraus liegt ein besonderer Fokus? Damit keine Kommunikationslücke entsteht, braucht es Onboardings, Briefings und regelmäßige Absprachen. Auch all das erfordert Zeit. Denn jede Firma, jede Produktgruppe und jedes Geschäftsmodell ist unterschiedlich. Das haben wir bspw. in unserer Zusammenarbeit mit einer externen Mitarbeiterin für Paid Social gelernt. mokebo ist schon sehr anders als andere E-Commerce Modelle - das bedurfte an Kommunikation.

Wann können Agenturen für junge E-Commerce Startups sinnvoll sein?

Kurzfristig kann es sicherlich sinnvoll sein, in bestimmten Bereichen mit Agenturen zusammenzuarbeiten, um ganz neue Geschäftsbereiche aufzubauen und diese direkt mit der notwendigen Expertise zu starten. Mittel- und langfristig sollten zentrale Geschäftsbereiche meiner Meinung nach aber ingesourced werden, um die Intellectual Property im Unternehmen aufzubauen, zu verankern und sicherzustellen, dass die eigene Agenda auch bestmöglich verfolgt wird. Bei dieser Art von Entscheidung ist es immer wichtig zu berücksichtigen, wie viel Wertschöpfung das Unternehmen schon heute bei sich hat und halten möchte. Handelt es sich zum Beispiel um Geschäftsmodell, bei dem sehr viel Wertschöpfung in der Herstellung oder Entwicklung der Produkte liegt, könnte es Sinn machen, andere Bereiche wie Advertising und Webshop Development an externe Dienstleister auszulagern.

Bei mokebo stehen wir dem Thema Agentur oder auch Freelancing sehr offen gegenüber und haben in der Vergangenheit entschieden, in bestimmten Bereichen wie Pressearbeit oder Paid Social mit externen Partnern zusammenzuarbeiten und möchten diese Erfahrungen auf keinen Fall missen. Allerdings gibt es bei uns auch triftige Gründe, warum Outsourcing bei uns immer seltener der Fall geworden ist: Erstens ist mokebo bis heute komplett eigenfinanziert. Zudem haben wir zum jetzigen Zeitpunkt noch keine sehr große vertikale Wertschöpfung und arbeiten mit verschiedensten Produktionspartnern zusammen, die für uns produzieren, oder mit Marktplätzen, auf denen wir unsere Produkte listen. Entsprechend sind wir auf der Kostenseite limitiert und müssen mit unseren Budgets genauestens haushalten. Dadurch haben wir tendenziell weniger Mittel zur Verfügung als VC-backed Start-ups, um Agenturen zu beauftragen und müssen sehr viel Wert auf Insourcing und Optimierung legen. Erschwerend hinzu kommt, dass die Möbelbranche, insbesondere aufgrund der sehr hohen Versandkosten für schwere Möbel im E-Commerce, weniger margenstark ist als bspw. Fashion oder Nahrungsergänzungsmittel. Der Kostenfaktor wiegt für bootstrapped Unternehmen im Home & Living Segment also besonders schwer. 

Ich habe mich in den letzten Jahren mit vielen tollen Agenturen für verschiedene Geschäftsbereiche gesprochen und mich viel mit dem Für und Wider von Agenturen beschäftigt. Ich kann deshalb jede Ausrichtung verstehen, solange man fundamental und bewusst entscheidet, warum welcher Weg gewählt wird. Wenn bspw. ein reifes, margenstarkes Business, dass einen starken Markenwert für eine bestimmte Kategorie erarbeitet hat, beginnt alle anderen Geschäftsbereiche, vom Webshop Development über Marketing, Pressearbeit und Kundensupports zu insourcen, dann ist das aus meiner Sicht der genau richtige Weg. In diesem Fall zu lange in Log-in-Effekten zu externen Partnern "festzustecken" hingegen ein Risiko.

Wie du siehst, hängt die Entscheidung für oder gegen eine Zusammenarbeit mit einer Agentur stark von den individuellen Umständen und Zielen des Unternehmens ab. Und auch wie erfolgreich und profitabel die Zusammenarbeit letztendlich ist, wird von einer Vielzahl an individuellen Faktoren wie Kommunikation und Expertise beeinflusst. Eines ist sicher: Agenturen haben eine elementare Daseinsberechtigung im E-Commerce Mix und können genau da ansetzen, wo sie für Start-, Grown- und Scale-Ups gerade den meisten Mehrwert liefern.

_______________________________

Dieser Artikel erscheint in Zusammenarbeit mit dem D2C-Radar powered by INTERNET WORLD und W&V in meinem Linkedin Newsletter “can you HANDEL it?” und dem INTERNET WORLD Newsletter. 

Previous
Previous

#15: How to expand online (fast): 3 neue Marktplätze in 3 Monaten

Next
Next

Margins are crunched, what can you do about it as seller or agency?